Sonntag, 15. November 2015

Jemand zuhause?


(Bildquelle: pixabay, Zitatquelle: TEDx Talks)

Zuhause, das ist erstmal da, wo man wohnt. Zumindest ist das die gängige Definition, und ich stimme ihr auch weitgehend zu.
In meiner Stadt und meiner Wohnung kenne ich mich aus - das ist ein wichtiger Punkt fürs sich-zuhause-Fühlen.
Außerdem kann ich über meine Wohnung selber verfügen. Ich kann umräumen und gestalten. Und ich kann Gäste einladen, ohne irgendwen vorher fragen zu müssen - das ist anders, als wenn ich selber irgendwo Gast bin, egal wie sehr ich mich dort schon auskenne und mich wohlfühle.

Zuhause hat aber auch irgendwie was mit Menschen zu tun. Menschen, die ich gerne in meiner Nähe habe. Bei denen ich mir wünsche, dass mein Zuhause auch ihres wäre, oder umgekehrt. Es gibt viele dieser Menschen, und sie wohnen an vielen verschiedenen Orten. Wenn es danach geht, ist meine aktuelle Wohnung gar nicht mehr so viel Zuhause.

Freitag, 25. September 2015

In der Grauzone

Ganz früher habe ich nicht darüber nachgedacht, was der Unterschied zwischen sinnlich und sexuell ist.
Dann habe ich mal versucht, Sexualität irgendwie zu definieren und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie zu nicht-binär ist um sich wirklich abgrenzen zu lassen.

Dann, vor einigen Monaten, habe ich mich viel damit beschäftigt, und der Unterschied wurde wichtig. Und ich habe eine Definition gefunden - oder eher erfunden, denn sie ist letztendlich auch nur völlig willkürlich.
Aber ich brauchte sie, damit ein Begriff wie Asexualität überhaupt Sinn ergibt.

Und nun habe ich schon so oft anderen Menschen erklärt, was Asexualität bedeutet. Habe so oft sexuelle Anziehung versucht zu beschreiben. Und es fühlt sich immer mehr an wie eine völlig willkürliche Festlegung einer Grenze, die keinen natürlichen Grund hat, genau an dieser Stelle zu sein.

Montag, 21. September 2015

Ja sagen ist schön

Ich bin frisch zurück von einem Zeltlager mit anderen polyamoren Menschen, einem schönen Wochenende voller neuer Eindrücke - und damit auch voller Ideen für neue Blogartikel. Ich starte jetzt mal den ersten Versuch, ein einzelnes Thema herauszugreifen, denn irgendwo muss ich ja anfangen.

"Consent is sexy" schreiben viele Aufklärerinnen, wenn sie mit Infokampagnen gegen die verbreitete Respektlosigkeit in unserer Kultur vorgehen.
Und ich fand diesen Spruch immer irgendwie seltsam. Konsens ist in erster Linie mal ein ethischer Grundsatz. Da geht es um respektvolles Verhalten, also darum, keine Grenzen zu verletzen. Ob es sexy ist spielt keine Rolle, es ist einfach eine ethische Pflicht, auf Konsens zu achten. Auch dann, wenn es absolut unsexy erscheint und eher unbequem und nervig ist.
In den letzten Tagen habe ich dazu einen neuen Gedanken erlebt. Ob Konsens nun tatsächlich "sexy" ist, kann ich wohl nicht so ganz beurteilen. Aber ich kann zumindest sagen: Konsens kann sehr schön und... hmm... leidenschaftlich sein.
Und ist sowieso auch fast ein unabdingbares Kriterium, damit ich einen Menschen überhaupt attraktiv finden kann (zumindest wenn es um mehr als nur ästhetische Anziehung geht). Aber das war mir ja auch schon vorher klar.

Für alle, die nun gar nicht wissen, wovon ich eigentlich rede: Konsens bedeutet in diesem Zusammenhang die Absicht und die Praxis, die Grenzen anderer Menschen zu erkennen und zu achten - was umso wichtiger ist, je mehr Intimität man miteinander teilt. Also im Prinzip einfach respektvolles Verhalten.

Donnerstag, 10. September 2015

Wohin mit der ganzen Begeisterung?

Foto: blauer Himmel mit rosa schimmernden Wolkenfetzen
(Bild: pixabay)
Anziehung, Verliebtheit, Schwärmerei, Faszination für die Attraktivität eines Menschen - wie auch immer man es nennen will... es ist ein schönes Gefühl, einen anderen Menschen ganz akut so wunderbar zu finden, dass ich bei dem Gedanken an ihn schon lächeln muss und mich freue.

Montag, 31. August 2015

Im Dschungel der Gruppendynamik

Foto von einer Gruppe Erdmännchen, von denen vier aneinandergekuschelt stehen und eines mit etwas Abstand daneben.
(Bildquelle: pixabay)

Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass mich das Thema Gruppendynamik immer wieder beschäftigt. Und deswegen kommt jetzt auch mal ein Blogartikel dazu, selbst wenn ich noch keine großartige Schlussfolgerung habe.

Früher war ich nicht besonders gut darin, Gruppendynamik richtig einzuschätzen. Ich habe nur gemerkt wenn etwas schief ging, und dann war ich meistens schon das Opfer der jeweiligen Situation. Vielleicht deshalb, oder weil mich zwischenmenschliche Prozesse einfach sehr faszinieren, habe ich viel darüber gelernt. Nicht so sehr durch Theorie, sondern durch Erfahrung. Die Theorie lege ich mir jetzt erst langsam selber zurecht.

Sonntag, 30. August 2015

Lust und Missverständnisse

Seit meinem Coming-Out als Asexuelle vor vier Monaten hat sich einiges verändert.

Einerseits bei mir selbst. Ich hatte seitdem tatsächlich fast gar keinen Sex mehr - nur noch am Anfang ein, zwei Mal mit Kilian, und das war es dann für die ganze Zeit. Nachdem ich ja vor einem Jahr, als ich Kilian kennenlernte, für meine Verhältnisse plötzlich sehr viel Sex hatte, wurde es danach langsam wieder immer weniger. So wenig, dass Kilian das "wir sind zusammen"-Label irgendwann nicht mehr als passend empfand und unsere Beziehung zur Freundschaft umbenannte. Was aber nichts Grundsätzliches geändert hat, denn alle Veränderungen sind und waren sehr fließend - weshalb ich ja mit diesen willkürlichen Kategorien eh nichts anfangen kann.

Nun ja, ich schweife ab... jedenfalls habe ich wahrscheinlich mit dem Coming-Out mir selbst gegenüber auch erstmal all die gesellschaftlichen Erwartungen abgelegt, die einem als vermeintlich nicht asexueller Mensch so eingeredet werden und die ich natürlich auch in mir drin hatte. Und so wie ein Pendel, was erstmal in die Gegenrichtung ausschwingt bevor es zur Ruhe kommt, habe ich in der ersten Zeit innerlich alles von mir gewiesen was mit Sex zu tun hatte. Ich habe mich in dieser Zeit auch mit einigen Leuten getroffen, mit denen ich vorher schon sexuelle Intimität geteilt hatte, und mit denen aber auch "nur" gekuschelt.
Ich denke, das war für mich vielleicht nötig, um zu überprüfen, ob mein neues Label auch wirklich passend ist - und dazu habe ich es erstmal in einer extremeren Form ausgelegt als eigentlich passend.

Auch bei den Leuten, die mich schon kannten oder mich in letzter Zeit kennengelernt haben, habe ich damit einen Eindruck erweckt, der sozusagen ein übertriebener Gegensatz zum vorherigen Bild (eben dem der Bisexuellen, die ja so frei und oft ihre Sexualität auslebt) geworden ist.

Nun merke ich, wie das metaphorische Pendel sich zurück in die Mitte bewegt und ich mir selbst damit hoffentlich wieder ein Stück näher komme, nachdem ich erstmal etwas über das Ziel hinausgeschossen war.
Es gibt nämlich gerade einige Menschen, bei denen ich am Liebsten die Zeit zurückdrehen würde, um ihre falsche Einschätzung eher vorgestern als heute zu korrigieren, weil ich befürchte (oder weiß), dass sie mich für "unschuldiger" halten als ich tatsächlich bin.
Also merke ich leider auch direkt die negativen Folgen von diesem anfänglichen Übertreiben...

Montag, 13. Juli 2015

Anziehung, Attraktivität, Intimität - eine Erklärung

Nachdem ich mich bei meinen Freunden als asexuell "geoutet" habe, musste ich oft erstmal erklären, wie das denn mit der Anziehung allgemein so ist... denn wer da in die Norm passt (also meistens alle Arten von Anziehung gleichzeitig für eine Person empfindet), musste sich damit meist noch nie auseinandersetzen, und kann dann oft gar nicht richtig verstehen, was mit "ich empfinde keine sexuelle Anziehung" überhaupt gemeint ist.

Also schreibe ich jetzt mal einen Artikel dazu, was es mit Anziehung, Attraktivität und Intimität so auf sich hat. Vielleicht ist er noch mehr Leuten eine Hilfe, die sie bei Gelegenheit zur Erklärung verlinken können.

Freitag, 8. Mai 2015

Ich bin asexuell

Wie schon in einem anderen Artikel angedeutet, habe ich mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Asexualität beschäftigt. So wie das bei mir üblich ist, wenn ich ein neues Thema habe, was mich beschäftigt: ich habe Videos geschaut, Blogs gelesen, Social Network-Seiten und -Gruppen dazu besucht.

Dabei ist mir auch die Information über den Weg gelaufen, dass heute eine Art Aktionstag ist, an dem etwas für mehr Sichtbarkeit (eines der Haupt-Anliegen der asexuellen Community) getan werden soll.

Zu Ehren des Asexual Visibility Day gibt es darum heute eine Spielkarte von mir:

Foto: Ein Stapel Spielkarten mit der Rückseite nach oben. Die unterste Karte ist umgedreht und schaut heraus, so dass sie als Kreuz-As zu erkennen ist.
(Bild: pixabay)

Und hier findet ihr die Erklärung zu der Karten-Aktion.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Reprise: wo fängt eigentlich Sex an?

Einen Artikel mit diesem Thema habe ich vor einiger Zeit schonmal geschrieben. Ganz im Sinne meiner skeptischen Einstellung gegenüber binären Schubladen, habe ich damals keine klare Grenze finden können - und eine unklare Grenze ist praktisch gar keine.

In letzter Zeit hat sich meine Meinung dazu verändert, deswegen schreibe ich jetzt nochmal darüber.

Mittwoch, 11. März 2015

Sprachbarrieren


Foto von einem bunten Papagei mit dem Text "Ist dieser Vogel schwarz oder weiß?"
(Bild: pixabay)

Stell dir vor, du läufst in deiner Heimatstadt umher. Eine Gruppe Touristen kommt auf dich zu und fragt dich, wo ihr euch gerade befindet. Sie halten dir einen Stadtplan unter die Nase, auf dem du ihnen eure Position zeigen sollst. Es ist der Plan einer anderen Stadt.

Du würdest sie darauf hinweisen, dass der Plan hier unbrauchbar ist, nehme ich an?
Nun stell dir vor, du bist von ganz vielen dieser Leute umgeben. Und sie sind empört darüber, dass du ihnen unterstellst, den falschen Stadtplan dabei zu haben. Aber du kannst ihnen auf der Karte von Berlin eben nicht zeigen, wo der Kölner Dom steht. Egal, wie sehr du dich bemühst. Richtig?


Freitag, 23. Januar 2015

Kuscheln, sinnliches Begehren, und die Angst vor Ablehnung - Sex vs. Freundschaft?


Portraitfoto: zwei junge Frauen lächeln in die Kamera, während eine die Andere von hinten umarmt.
(Bild: pixabay)
Wie ich ja schon öfter erwähnt habe, kuschel ich sehr gerne. Ich kann davon fast nie genug kriegen - zärtliche Berührung von geliebten Menschen ist so etwas wunderbar Schönes. Mit wem ich gerade wieviel und wie eng kuscheln mag, ist natürlich schon unterschiedlich, bei manchen Leuten fühle ich mich auch unwohl oder bin sehr vorsichtig, z.B. weil es sich anfühlt, als würden sie nicht genug auf meine Grenzen achten. Aber so allgemein gesprochen, gibt es kaum etwas Schöneres für mich als Kuscheln.

Neulich hab ich einen wunderschönen Abend mit Freunden verbracht, wo auch viel gekuschelt wurde... unter anderem mit einer Freundin, die ich sehr anziehend finde und ihr gerne noch näher kommen würde.
Nicht, dass das etwas Ungewöhnliches wäre - ich bin vermutlich in die große Mehrheit meiner etwa gleichaltrigen, weiblichen Freundinnen/Bekannten irgendwie verliebt, finde sie heiß, begehre sie oder wie auch immer man es nennen will... wenn man das so zählt, stehe ich wohl deutlich häufiger auf Frauen als auf Männer (Menschen mit nicht-binärem Geschlecht oder ohne Geschlecht kenne ich zu wenige um eine repräsentative Aussage dazu machen zu können).

Und jetzt gehe ich abends alleine ins Bett und fühle mich schwach, verletzlich, einsam... und wünschte, sie wäre bei mir. Das ist so eine Sehnsucht... die ist schon ein Bisschen schmerzhaft (aber trotzdem auch schön). Verliebtheit? Begehren?

Und weil ich erstens eine Ablenkung brauchte, und zweitens mich emotionale Situationen oft zum Nachdenken anregen, habe ich mir Gedanken über Begehren gemacht. Und dabei etwas über mich selber gelernt, was ich bisher nie so konkret in Worte fassen könnte - vielleicht hilft es mir, mit meinem Begehren in Zukunft besser umgehen zu können.

Freitag, 5. Dezember 2014

Linktipps aus den Weiten des Internets (Teil 2)

(Bildquelle)

Ich habe ja kurz nach Beginn meines Blogs schonmal einen Post mit Linktipps gemacht. Die dort erwähnten Seiten sind allerdings nur ein winziger Bruchteil meiner umfangreichen Lesezeichenliste, und ich möchte euch gerne noch an weiteren Entdeckungen teilhaben lassen.
Deswegen mache ich jetzt eine Serie daraus, bei der ich in unregelmäßigen Abständen einige Links zusammenstelle, die ich besonders gut und/oder interessant finde.

Mittlerweile weiß ich, dass ich erfreulicherweise auch im deutschsprachigen Raum gar nicht so alleine bin mit meinem Blogthema zu Poly/Beziehungsanarchie, wie ich zu Anfang mal dachte. Außerdem gibt es auf Englisch sowieso eine Fülle von Artikeln, Videos, und ähnlichem.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Verbindlichkeit vs. Vertrauen

Auf Facebook lese ich gerade eine interessante Diskussion über Verbindlichkeit. Dabei habe ich einen Denkanstoß gefunden, der mir eine bessere Einsicht über mich selber gegeben hat.

Ich wurde selbst ja auch schon öfter mit dem Vorwurf oder der Erwartung konfrontiert, ich solle meinen geliebten Menschen mehr Verbindlichkeit bieten (damit das eine "ernsthafte" Beziehung sein könne oder so).

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Mehr echtes Ja und Nein

(Bild: GNOME/Sun Microsystems)

Durch die Beziehungsanarchie kann ich öfter (als früher) ja sagen. Und öfter nein sagen. Und beides vor allem auch meinen. Klingt paradox? Nicht, wenn ich genauer hinschaue:

Freitag, 5. September 2014

Beziehungs-Status-Symbole

Heute wurde mir in eigener Erfahrung bewusst, wie sehr die Gesellschaft, in der ich lebe, auf dem Idealbild der Beziehungsrolltreppe aufbaut. Wie sehr es, von außen auf andere Menschen sehend, als Erfolgsmerkmal definiert wird, in einer "ernsthaften" Beziehung zu sein.
Wenn du keinen Partner hast, machst du etwas falsch, musst du unglücklich sein, mit dir ist irgendwas nicht in Ordnung... besorgt fragen die anderen Menschen: "wie kann es denn sein, dass du noch single bist, du bist doch so hübsch?" und ähnliche Dinge. Mitleidig, als ob es ein Misserfolg, ja gar eine Schande ist, "single" zu sein. Genauso wie z.B. ein Haus oder ein Auto, ist der Beziehungsstatus ein Statussymbol.

Donnerstag, 4. September 2014

Die Macht der Realität - Teil 2

Wie gestern schon erwähnt, ist die Beziehung zu Kilian eine große Herausforderung für mich.

Ich bin etwas erschrocken darüber, wie leicht und schnell das Weltbild, was ich mir im Laufe des letzten Jahres aufgebaut habe, durch ihn erschüttert wurde.
Mit Kilian hatte ich zum ersten Mal das, was ich bisher nur vom Hörensagen aus diversen Poly-Gruppen kannte: nach ein paar Tagen des Kennenlernens ein Gespräch darüber, wie wir uns die Zukunft unserer Beziehung vorstellen. Es ging von ihm aus, und anstatt dass ich (wie ich vorher wohl geschätzt hätte) aus Angst vor dem Festlegen-müssen direkt Panik bekommen habe, fühlte ich mich sogar noch eher geliebt und angenommen, und konnte es als einen Ausdruck von ehrlichem Interesse, Respekt und großer Zuneigung sehen.

Mittwoch, 3. September 2014

Die Macht der Realität

Liebe ist nicht nur ein wunderschönes Gefühl, sondern auch ein sehr mächtiges. Und wenn sie in besonders starker Ausprägung auftritt, dann kann sie so manche Dinge über den Haufen werfen, die man vorher sorgsam aufgebaut hatte...

Andie sagt: finde deine Grundwerte - den Kern davon, was dir in allen Beziehungen wichtig ist. Und genau das ist jetzt wieder meine Aufgabe. Denn einiges davon, was ich für einen unerschütterlichen Grundwert gehalten habe, liegt jetzt in Einzelteilen am Boden, so leicht zerfallen wie ein Kartenhaus, und ich muss sehen was ich davon nun wie wieder zusammenpuzzeln will. Alles nochmal überprüfen, welchen Sinn es jetzt ergibt...

Die Sache mit der Verliebtheit

Ich bin mal wieder verliebt.
Genau genommen verliebe ich mich sehr oft... es ist schließlich ein schönes Gefühl, und ich habe viele wunderbare Menschen in meiner Umgebung. Allerdings ist es diesmal besonders stark. Meine Verliebtheit ist nicht immer gleich - mal ist sie stärker, mal schwächer, mal hält sie kürzer oder länger an, und sie äußert sich immer ein Bisschen unterschiedlich.

Da musste ich daran denken, was ich schon oft gefragt wurde, seitdem ich mich mit Polyamorie beschäftige: "Wenn du in mehrere Leute gleichzeitig verliebt bist, muss das dann nicht jeweils schwächer sein als wenn es nur einer ist?"

Freitag, 18. Juli 2014

Verbindlichkeit und die lieblose Gesellschaft

In meiner Umgebung tauchte in letzter Zeit immer wieder das Wort "Verbindlichkeit" auf. Meistens in einem negativen Zusammenhang zu meinem beziehungsanarchistischen Leben:
"Du willst dich ja nur vor Verbindlichkeit drücken."
"Das wäre ja nichts für mich, ich brauche in Beziehungen mehr Verbindlichkeit."
"Kann man ohne Labels überhaupt genug Verbindlichkeit aufbauen?"
Und ich merkte, dass mich das irgendwie ärgert. Immer dieser Vorwurf, der da drin steckt: "Du willst nicht verbindlich sein, das ist egoistisch und lieblos von dir". Also ging ich der Sache mal auf den Grund und überlegte: finde ich denn Verbindlichkeit nun eigentlich gut oder schlecht? Und dabei merkte ich, ich weiß gar nicht so genau, was damit eigentlich gemeint ist.
Wenn man nachfragt, kommen dabei ganz unterschiedliche Sachen heraus.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Romantisch, unromantisch, aromantisch, WTFromantisch?

Anlässlich einer der zahlreichen Diskussionen darüber, ob man als Beziehungsanarchist*in die eigenen Beziehungen noch in verschiedene Kategorien ("freundschaftlich", "romantisch", "sexuell", etc.) einteilen dürfe oder nicht, habe ich mich mal wieder durch einige englische Blogbeiträge zu dem Thema gelesen. Es scheint kein klarer Konsens darüber zu herrschen, und Andie Nordgren selbst habe ich noch nicht erreicht, um sie nach ihrer Meinung zu fragen.
Für mich selbst macht diese Kategorisierung einfach überhaupt keinen Sinn, und ich habe (vielleicht deswegen) auch Andies Texte immer in dieser Art interpretiert... es scheint aber auch Menschen zu geben, die gefühlsmäßig klar zwischen freundschaftlicher und romantischer Liebe differenzieren können, aber trotzdem nach allen Werten der Beziehungsanarchie leben wollen und diese auch als deutlich unterschiedlich zur nichthierarchischen Polyamorie wahrnehmen.

Montag, 9. Juni 2014

Für mehr geteilte Freude!

Gestern habe ich noch mit einer Freundin darüber geredet und heute dachte ich mir: eigentlich könnte ich darüber auch mal was schreiben.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie jemand sich mal über eine Zeichnung freute, die ich für ihn gemacht hatte. Und das dann, als ich mich mitfreute, schnell runterspielte mit "ach, ich bin leicht zu beeindrucken". Ich war damals genauso verwirrt darüber, wie ich es noch heute bin.
Ich habe noch nie verstanden, warum "leicht zu beeindrucken" eine schlechte Eigenschaft sein soll... sofern es etwas Positives ist, was mich beeindruckt, habe ich doch schließlich Freude daran, beeindruckt zu sein.
Ich finde es auch immer schön, zu sehen wie sich Menschen freuen. Und wer dabei besonders offen und frei ist, die Freude nicht zurückhält sondern einfach nach Außen lässt, ist mir gleich viel sympathischer.

Dienstag, 29. April 2014

Wo fängt eigentlich Sex an?

Kürzlich saß ich mit einem Menschen, der seine polyamore Fühl-Weise gerade neu entdeckt hat, in einer Bar. Zwischen uns beiden hatte sich schon kurz nach dem Kennenlernen eine intensive Spannung gebildet - von der positiven Sorte. Eine Art aufgeregtes, neugieriges Knistern in der Luft. Während mein Gegenüber mir über den Unterarm streichelte und ich es dabei bis zu den Fußspitzen kribbeln spürte, unterhielten wir uns über ein Thema, was mich schon öfter mal in Gedanken beschäftigt hat: Was genau zählt eigentlich alles zu "Sex"?

Donnerstag, 17. April 2014

Ziellos liebt sich's schöner

(Bild: Pedroalmovar)


Dass es außer Unglücklichsein nichts bringt, besondere Erwartungen an bestimmte Menschen zu haben, das habe ich ja neulich schon beschrieben. Und in den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass ich noch einen Schritt weiter gehen möchte.
Nicht nur keine Erwartungen (im Sinne von Ansprüchen an andere Menschen wie "wenn du mich wirklich liebst dann wirst du auch [hier einfügen] für mich tun") haben, sondern mich auch möglichst von Wünschen bzw. Zielen befreien. Nicht komplett ("Ich wünsche mir eine ehrlichere, respekt- und vertrauensvollere Welt" finde ich immer noch gut) - aber da wo sich diese Ziele auf bestimmte Personen (und deren Entscheidungen anstatt meiner eigenen) beziehen, möchte ich sie loslassen.

Zum Beispiel gibt es eine Frau in meinem Freundeskreis, die ich ganz schön toll finde (also nicht nur eine, aber um eine bestimmte geht es jetzt gerade in dem Beispiel).

Sonntag, 13. April 2014

Chaos auf der Rolltreppe? - eine Geschichte von Respekt und So-sein-lassen

Ich war vor kurzem bei einem neu kennengelernten, lieben Menschen zu Besuch - spontan und unvorbereitet. Auf dem Weg warnte er mich vor: "Bei mir ist furchtbares Chaos, ich hoffe das stört dich nicht". Ich konnte ganz locker antworten "kein Problem".
Hätte ich meine eigene Wohnung (die dank meines Hangs zum Minimalismus meistens ziemlich ordentlich ist) so vorgefunden wie seine, dann hätte es mich gestört. Aber ich wohne ja nicht dort - und für ein paar Stunden Besuch ist mir die Sauberkeit meiner Umgebung längst nicht so wichtig wie zuhause.

Dabei ist mir aufgefallen, dass das ein weiterer Vorteil ist, der mit meiner polyamoren/beziehungsanarchistischen Einstellung zusammenhängt.

Donnerstag, 13. März 2014

Von "Geben und Nehmen" und Erwartungen


(Bild: BlairSnow)

 "Eine Beziehung ist immer ein Geben und Nehmen."

Diesen Satz hört man oft, wenn jemand über Schwierigkeiten in einer Beziehung spricht. Aber ich möchte dem widersprechen.

Manche Beziehungen basieren tatsächlich auf "Geben und Nehmen", auf dem Austausch von gegenseitigem Nutzen - die nennt man dann Geschäftsbeziehung.
Aber viele Menschen sagen das auch, wenn sie Beziehungen meinen, die auf Sympathie, auf Emotionen aufbauen (also Liebe, Freundschaft, oder wie auch immer man es nennen will). Und ich sage:

Liebe ist kein Tauschgeschäft.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Beziehungsanarchie - Lieben nach dem Freundschaftsprinzip

Ich habe kürzlich mal versucht, zurückzuverfolgen, wer den Begriff  "relationship anarchy", den man auf englischsprachigen poly-Diskussionsplattformen doch recht oft liest, eigentlich erfunden hat.
Und ich bin bei Andie Nordgren gelandet, die auch das (mir schon länger bekannte) 8-Punkte-Manifest dazu geschrieben hat (Hier das Original auf Schwedisch und Englisch).

Mit Hilfe von Google-Übersetzer habe ich mich durch einige ihrer Blogbeiträge gelesen, und habe mich sehr stark darin wiedergefunden. Weil ich der Meinung bin, dass das Konzept Beziehungsanarchie auch im deutschsprachigen Raum mehr Aufmerksamkeit verdient hat, habe ich den Versuch gewagt, Andies Blogartikel "Relationsanarki" in flüssig lesbares Deutsch zu übertragen. Ich hoffe, die Übersetzung ist mir gelungen. Hinweise von Leuten, die Schwedisch besser verstehen als ich, werden gerne entgegengenommen.


(Bild: Liftarn)

Beziehungsanarchie

(frei übersetzt nach Andie Nordgren)

Warum ist Freundschaft in der Regel einfach und unproblematisch, während Liebesbeziehungen oft zerbrechen und man eine nach der anderen hat?

Dienstag, 4. Februar 2014

Ich teste den Test

Wie versprochen, habe ich mal den polyamoren Persönlichkeitstest von polytripod ausprobiert, um die Praxistauglichkeit (für mich) zu überprüfen und dabei vielleicht auch noch etwas über mich selbst zu lernen. Vielleicht regen die Fragen ja noch jemanden von euch dazu an, mal über Aspekte nachzudenken die ihr noch nicht so bewusst betrachtet habt?

Ich habe die Fragen und Antworten auf Deutsch übersetzt, das englische Original zum Nachlesen versteckt sich hinter dem obigen Link. Das Übersetzen war gar nicht so leicht, deswegen hat es auch etwas länger gedauert als gedacht...

Samstag, 1. Februar 2014

Persönlichkeit, Schubladen und Ankreuzfragen

(Bild: grusskarten-e-cards.de)

Ich habe ja ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu Schubladen.

Einerseits bin ich oft unzufrieden mit dem Druck, mich in eine der gesellschaftlich vorgegebenen Schubladen (wie z.B. Freundschaft/Beziehung/Affäre) einsortieren zu müssen. Ich finde es schade, Menschen so undifferenziert zu betrachten und fühle mich (oder meine Beziehung im eben genannten Beispiel) dann als vielschichtiges Individuum nicht genügend wahrgenommen. Ich presse mich nicht gerne nur der Sprache halber in eine Form, die ich nicht als wirklich passend empfinde.

Dienstag, 28. Januar 2014

Fundstück: Casual Love

Manchmal finde ich Artikel auf anderen Blogs, die ich am liebsten jedem Menschen zeigen möchte, den ich kenne. Weil sie mir so sehr aus der Seele sprechen, so viel Wahrheit ausdrücken die viel zu selten gesagt wird.
Dieser hier ist einer davon, und deswegen teile ich ihn jetzt hier mit euch:

Sonntag, 26. Januar 2014

Hinter den Spiegeln, Teil 1: Erfüllungsgehilfe?

Ich freue mich, euch heute schon den zweiten Gastbeitrag präsentieren zu dürfen. Der Text soll Teil einer Serie sein, die den Namen trägt: Polyamorie im Land hinter den Spiegeln - oder: wie fühlt sich mein Partner dabei?
Vielen Dank an Matthias für diesen Bericht aus seinem Erfahrungsschatz!


Donnerstag, 23. Januar 2014

Wie sich der eigene Blickwinkel ändert...

Vor kurzem war ich mit einer Freundin zusammen zuerst auf einem polyamoren Stammtisch, und danach haben wir eine Party (öffentlicher Art) besucht, auf der zwar noch mindestens eine weitere Person aus dem polyamoren Freundeskreis anwesend war, aber auch eine große Menge Menschen die von Polyamorie wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben.

Dort wurden wir von einer fremden Frau angesprochen, nachdem sie gesehen hatte, dass wir uns küssten. Sie sagte, sie sei lesbisch und neu in der Stadt, und fragte nach Tipps, wo sie gut feiern gehen könnte. Und beteuerte dann noch, dass sie eine Freundin habe - vermutlich um zu betonen dass das keine Anmache sein sollte.
Wir mussten später herzhaft lachen, als wir feststellten dass bei uns beiden in dem Moment der erste Gedanke war "ja und?".

Die Vielfalt der Schönheiten

Foto eines sitzenden Schmetterlings
(Bild: Super.lukas)

Fragt man jemanden in der monogamen Welt danach, wie er sich vom Aussehen her den perfekten Partner vorstellt, bekommt man meistens eine recht eindeutige Antwort. Viele Menschen haben ein genaues Schönheitsideal im Kopf, und suchen nach der Person, die diesem "Beuteschema" am meisten entspricht. Das war bei mir auch so, als ich noch an die eine große Liebe geglaubt habe.

Sonntag, 19. Januar 2014

Liebe ohne Worte

Ich freue mich sehr, euch heute den ersten Gast-Beitrag in meinem Blog präsentieren zu können. Vielen Dank an Raphi (nicht mit Rafael zu verwechseln) für diesen inspirierenden Text!

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Hallo an Amelies Blog-Leser!

Das Thema, über das ich schreiben möchte, ist: woran man erkennt, wie viel man jemandem bedeutet.
Ich habe mit einer Freundin geschrieben. Sie sagte, wenn eine Person zu ihr sagen würde, sie liebe sie, aber auch jemand Anderen, dann könnte sie ihr das nicht glauben. Weil sie Lieben von sich nur so kennt, dass das nur mit einer Person geht. Und wenn man dann sagt, man liebe auch Andere, dann widerspreche das ihrer Auffassung von Liebe. Da habe ich ihr von folgendem Workaround erzählt:

Donnerstag, 16. Januar 2014

Alles oder nichts oder doch nur ein Bisschen was? Die zwei Poly-Typen

Stellt euch vor, ihr lernt jemanden kennen, findet den anziehend, und er euch auch. Beim besseren Kennenlernen merkt ihr aber, dass ihr in einigen Bereichen sehr unterschiedlich seid, die für das Funktionieren einer klassischen Beziehung (also nicht monoamor aber ansonsten halt das was man üblicherweise darunter versteht) wichtig wären. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

Montag, 13. Januar 2014

Meine Geschichte, Teil ... ?

In den vorherigen Posts habe ich ja immer mal wieder ein Bruchstück aus meinem aktuellen Leben erwähnt. Und ich glaube, man kann dadurch schon erahnen, wie sich meine Einstellung seit dem Beginn dieses Blogs verändert hat.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Beziehungen auf Entisch: Geschichten statt Schubladen

(Bild: Marek Zaleski)
Ich tue mir ja oft schwer, die Beziehungen zu den Menschen in meinem Umfeld in irgendeine Schublade zu stecken, sie mit einem einzelnen Wort zu benennen. Ich bezeichne all die Menschen, die ich liebe, als meine Freunde. Aber das ist so kurz, und so ein weit gefasster Begriff... und die Verbindungen, die ich zu jedem einzelnen Menschen habe, sind so unterschiedlich, dass man mit dem Wort "Freundschaft" alleine noch kaum mehr darüber weiß als ohne.

Sonntag, 5. Januar 2014

Wer seid ihr?

Laut meiner Statistik habe ich jeden Tag mehrere Besucher auf meinem Blog. Und da fragt man sich doch irgendwann: wer liest das denn eigentlich so alles, was ich hier schreibe?
Ich weiß zwar, wem ich selbst die Adresse gegeben habe, aber das sind längst nicht alle meiner Leser. Und ich bin neugierig.
Ich würde gerne mehr über euch erfahren.

Freitag, 27. Dezember 2013

Leicht zu haben

Leicht zu haben? Das will man in der monogamen Ellenbogengesellschaft nicht sein. Davor wird das jugendliche Mädchen von den Eltern gewarnt. Und wer es trotzdem wird, über die wird gelästert: "Die ist aber leicht zu haben, so eine billige Schlampe". Früher wollte ich das auch nicht sein. Was nicht teuer ist, kann ja auch nichts wert sein - die Konsumgesellschaft legt an Beziehungen die selben Maßstäbe wie an Waren. Als ob man Liebe kaufen könnte.

Jetzt kann ich sagen: Leicht zu haben? Ja, bin ich. Und das ist gut so!

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Gruppensex und Zahlenspiele

Bisher nur ein rein theoretisches Thema für mich, aber das Gespräch darüber kam beim letzten Poly-Stammtisch auf und ich fand es sehr erhellend und interessant. Deswegen schreibe ich einfach mal was dazu. Im Wesentlichen das, was ich aus der Unterhaltung mitgenommen habe. Vielleicht verhilft es ja noch irgendjemandem zu neuen Erkenntnissen.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Weniger haben. Mehr erleben. Zeit verschenken.


(Bild: AnemoneProjectors)

Ich miste aus.
Schon seit Jahren immer mal wieder, und es tut mir jedes Mal gut. Mein kleines Zuhause fühlt sich schon viel besser an inzwischen. Geräumig und entspannend.

Was das mit dem Thema dieses Blogs zu tun hat, fragt ihr euch?

Dienstag, 10. Dezember 2013

Mitfreude

Neulich rief mich einer meiner fantastischen neuen Freunde an: "Boah, hast du ein Glück, Mädel!" und man konnte ihm das freudestrahlende Grinsen schon an der Stimme anhören.

Montag, 9. Dezember 2013

Schwache Momente eines einsamen Herdentieres

Manchmal ist es nicht leicht, sich an seine Vorsätze und Ideale zu halten. Manchmal ist es offenbar sogar unmöglich. Oder ist das schon ein Zeichen, dass man seine Ideale überdenken sollte?
Gestern hatte ich einen sehr schwachen Moment.

Samstag, 7. Dezember 2013

Fährst du auf der Beziehungsrolltreppe?

Ich habe freundlicherweise die Erlaubnis bekommen, diesen Blog-Beitrag ins Deutsche zu übersetzen. Das Original hat Aggie Sez in ihrem Blog Solo Poly veröffentlicht, und ich habe es schon oft irgendwo verlinkt um meine Erklärungen zu verdeutlichen. Nun muss ich endlich nicht mehr auf die englische Version zurückgreifen, und dieser Text kann auch denjenigen zugänglich gemacht werden, die des Englischen nicht mächtig sind. Einige Wendungen waren sehr schwierig zu übersetzen. Wer sich also nicht sicher ist, dem empfehle ich, zum besseren Verständnis auch das englische Original zu lesen.

Mittwoch, 13. November 2013

Polyamorie für Anfänger und Interessierte: nützliche Links

Seitdem ich selbst offen zu meiner polyamoren Einstellung stehe, sind schon einige Leute an mich herangetreten, die sich auch dafür interessieren aber sich bisher nicht trauten danach zu fragen. Das freut mich natürlich sehr, dass das Thema doch nicht so selten ist wie ich gedacht hätte. Und ich erkläre dann auch gerne wie ich das sehe. Und auch, dass ich mich sehr viel mit verschiedenen Quellen auseinandergesetzt hab, um nicht die selben Fehler zu machen wie beim ersten Mal.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Höhen und Tiefen des Singledaseins

Ich bin dankbar und erstaunt über mein neues Singledasein.

Erst nach und nach fällt mir auf, wie oft ich bisher meine emotionalen Verbindungen zu anderen Menschen von vornherein gebremst habe. Ich habe einige Zeit gebraucht, nachdem ich meinen Status mit Rafel verändert habe, um mich davon zu lösen. Diese Entwicklung hat schon vorher begonnen, aber zuletzt ging es doch deutlich schneller.
Jetzt lasse ich mich bewusst viel mehr auf andere Menschen ein. Auf alte Freundschaften und neue Begegnungen. Auf jeden, der auf irgendeine Art Sympathie in mir erweckt. Ich bin überwältigt von der Intensität und Vielfalt an Gefühlen, die sich mir dadurch eröffnet. Es fühlt sich alles lebendiger an - wie ein Frühling mitten im Herbst.

Montag, 28. Oktober 2013

Sammlung: Inspirierende Musik

(Bild: Johannes Jansson/norden.org)


Ich finde einen Zugang zu emotionalen Themen oft leichter über Musik statt einfach nur über Prosa-Texte. Auch bei der Entwicklung zur Polyamorie hat mir das geholfen. Deswegen möchte ich einige Lieder mit euch teilen, die mich auf meinem Weg hierhin begleitet haben. Wenn ich Glück habe, sind diese Lieder ja vielleicht auch noch für jemand anderen hilfreich.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Serie Eifersucht, Teil 1: meine eigene


(Bild: Alyson Hill)


Das alte Gespenst Eifersucht entpuppt sich als schmutziges Bettlaken mit Löchern. Lästig, aber ungefährlich.
(aus "111 Gründe, offen zu lieben")

Eifersucht ist wahrscheinlich die größte Schwierigkeit, wenn man neu ist auf dem Weg der Polyamorie. Wir sind durch das monogame Menschenbild unserer Gesellschaft darauf geprägt, Eifersucht als normal, notwendig, ja sogar als Beweis von Liebe zu betrachten. Wenn man merkt dass man polyamor ist oder sein möchte, kommt man nicht darum herum, sich mit der Eifersucht auseinanderzusetzen.

In einer kleinen Serie möchte ich darauf eingehen, was Eifersucht bedeutet und wie man damit umgehen kann, bezogen auf verschiedene Personen.

Samstag, 12. Oktober 2013

Ein Loblied auf die Freundschaft

Wie sehr man Polyamorie als neuartig, ungewöhnlich, und deshalb auch bedrohlich oder gar undenkbar betrachtet, hängt stark vom Blickwinkel ab.

Geht man von der traditionellen Zweierbeziehung aus - wir zwei gegen den Rest der Welt, heiraten, Familienplanung, "du-bist-mein-ein-und-alles" - dann wirkt Polyamorie wie etwas radikal anderes: Ich soll meinen Partner mit jemandem teilen? Das ist doch viel zu gefährlich! Wir sind darauf trainiert, reflexartig Besitzansprüche anzumelden.

Schaut man sich aber eine andere Art Beziehung an, die wir alle schon lange kennen, dann merkt man dass dort ein polyamores Menschenbild meistens ganz selbstverständlich gelebt wird: