Donnerstag, 23. Januar 2014

Die Vielfalt der Schönheiten

Foto eines sitzenden Schmetterlings
(Bild: Super.lukas)

Fragt man jemanden in der monogamen Welt danach, wie er sich vom Aussehen her den perfekten Partner vorstellt, bekommt man meistens eine recht eindeutige Antwort. Viele Menschen haben ein genaues Schönheitsideal im Kopf, und suchen nach der Person, die diesem "Beuteschema" am meisten entspricht. Das war bei mir auch so, als ich noch an die eine große Liebe geglaubt habe.

Groß oder klein? Dick oder dünn? Blond oder rothaarig? Blaue oder braune Augen? Wer "die Eine" sucht, der hat oft das Bedürfnis, sich festzulegen, seinen Geschmack zu definieren, immer sagen zu können "ich finde Person A schöner als Person B, weil sie (hier beliebiges Körpermerkmal einfügen) hat".

Und nun habe ich gemerkt, dass ich, seitdem ich bewusst polyamor bin, viel weniger solche Vergleiche anstelle. Ich stelle immer noch Unterschiede fest, aber ich vergleiche viel weniger in einer wertenden Art. Ich kann sagen "ich finde Person A schön und Person B auch, obwohl sie ganz verschieden sind" aber kann oft keine Rangfolge mehr aufstellen. Es gibt nicht mehr "die Schönste" - es gibt viele verschiedene Arten von Schönheit, die einfach nebeneinander stehen können, ohne in Konkurrenz zu treten.
Sicherlich gibt es immer noch gewisse Merkmale oder gewisse Menschen, die besonders meinen Blick auf sich ziehen. Und es gibt immer noch Menschen, die ich schöner finde als andere. Aber das Schönheitsideal in meinem Kopf ist viel breitgefächerter geworden als vorher. Und es hat mehr mit Ausstrahlung und Gesamteindruck zu tun, weniger mit konkret benennbaren Merkmalen. Ich könnte gar nicht mehr benennen, wie die "perfekte Schönheit" in meinem Kopf aussieht, weil es so viele verschiedene davon gibt. Und das finde ich schön!

Ich vermute: das ist nicht nur bei mir so, sondern allgemein eine Auswirkung der polyamoren Denkweise. Wenn man sich nicht mehr für "den Besten" entscheiden muss, dann muss man ihn auch gar nicht mehr eindeutig definieren können. Dann kann man einfach hinnehmen, dass man ganz verschiedenartige Menschen schön finden kann, und das gar kein Widerspruch ist.

Dadurch habe ich außerdem auch ein viel besseres Verhältnis zu meinem eigenen Körper bekommen. Denn nun kann ich Andere schön finden, ohne zu denken "ich sehe nicht genauso aus, also muss ich automatisch weniger schön sein". Ich kann einfach gleichberechtigt neben den Anderen stehen, und zwar anders aussehen aber eben trotzdem schön. Das ist schon ein tolles Gefühl, endlich nicht mehr jemand anders sein zu wollen.

Geht es euch auch so?

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Kommentare:

  1. "Pokémaster" Matthias25. Januar 2014 um 10:38

    Dieses Gefühl, die vielfältige Schönheit und die schöne Vielfalt wertfrei genießen zu können, kenne ich sehr gut. Ich konnte in diesem Artikel viel von mir erkennen.

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    1. Danke für deinen Kommentar! Es freut mich, dass ich mit dieser Beobachtung nicht alleine bin :-)

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  2. Ich bin schon was älter, aber ich erinnere mich gut, wie mich das früher oft aus'm Tritt gebracht hat, wenn ich beschreiben sollte, auf welchen Typ Frau ich abfahre. Konnte ich nie, allenfalls "maskulin bis androgyn" wußte ich, aber Haarfarbe, Gestalt, Alter waren für mich nie sonderlich ausschlaggebend. Aber was du zum Selbstbild schreibst: doch, das kann ich nachvollziehen. Ich konnte anfangen, mich wenigstens ein bißchen mehr selbst zu mögen, als ich mich in eine Frau verliebt hatte, die eine ähnliche Figur hatte wie ich. Ob das mit Polyamorie zusammenhängt - keine Ahnung, ich hab mir darüber keine Gedanken gemacht, weil ich mich immer schon in sehr verschiedene Menschen verliebt hab und mich eben deshalb auch nicht binden wollte, weil ich keine Treueversprechen geben wollte.

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